Noch nachträglich wünschen wir euch allen, frohe Festtage verbracht zu haben und gut ins neue Jahr gekommen zu sein.

Anbei noch ein Weihnachtsbaum, der geeignet scheint, übers ganze Jahr Freude zu bereiten.

Australisches Design mit französischem Input

Obwohl nur wenige Tage vor Weihnachten coronabedingt unsere Planungen für das Fest plötzlich wieder in der Luft hingen, konnten wir Heiligabend gemütlich mit allen Kinder bei Louise und Bec verbringen. Wunderbar! Das war nach vier Jahren unser erstes gemeinsames Weihnachtsfest.

Aufbruch gen Westen

Für den 2. Feiertag hatten wir unseren Aufbruch nach Westaustralien geplant. Nachdem wir bislang vom Wetter alles andere als verwöhnt waren, war jetzt endlich schönes Wetter vorhergesagt und es sollte dabei richtig heiß werden Wir waren beide sehr gespannt darauf, wie unser Gespann und wir selber uns auf dem 3600 Km langen Weg nach Westaustralien schlagen würden.

Aber egal was kommt, am 15.01.23 müssen wir unbedingt am Meelup Beach, in der Nähe von Dunsborough sein, denn da werden Anna und Aron heiraten. Wir wussten zwar, dass die beiden planten aber dass es so schnell kommt, kam nicht nur für uns überraschend. Die beiden hätten sich kaum einen schöneren Ort ausdenken können, den Bund fürs Leben zu schließen. Geheiratet wird am Strand und weiter soll es dann im Meelup Farmhouse gehen.

Am Abend vor unserer Abfahrt sind wir nach Sonnenuntergang noch mal am Strand spazieren gegangen und haben Fotos bei sehr schönem Licht gemacht. Es war total windstill und der rote Abendhimmel spiegelte sich in den Pfützen, die die Ebbe auf dem Riff gelassen hatte. Irgendwie hatten wir Balnarring lieb gewonnen. Es war für uns ein vorübergehendes Zuhause, obgleich der Ort mit seinem launigen Wetter uns auch einiges an Gleichmut und Geduld abverlangt hatte. Hier aber haben wir die ersten Schritte des Caravaning erlernt, und in nur 20 Minuten zu Louise fahren zu können, war wunderbar. Auch die Natur, die Ruhe und die Tierwelt hatten es uns angetan and we certainly will be back.

Einfuhr von Äpfeln strengstens verboten!

Am 26.12. ging es dann los in Richtung Castlemaine, wo wir eine Nacht bei alten Freunden Robert und Rita verbrachten. Wir kennen die beiden seit unserer Zeit in Melbourne von 1984 bis 1989.

Da Hitze vorhergesagt war, waren wir am nächsten Morgen vor der Abfahrt im Chewton Dam schwimmen.

Vor der Hitze

Auf der Karte sah unsere Route ganz einfach aus. Aber aus welchem Grund auch immer, führte uns Google Maps kreuz und quer über teilweise sehr enge Straßen mit nur einer Spur. Wenn dann wieder ein mit Getreide beladener Roadtrain entgegen kam, musste man abbremsen und halb von der befestigten Straße runter. Dass wir so nur langsam voran kamen, ist klar. Aber möglicherweise hatte Google tatsächlich eine Route gefunden, die um 100 Meter kürzer war als über große und breite Straßen zu fahren. Schneller war sie allerdings nicht! Auf jeden Fall waren wir heilfroh, als wir endlich auf dem National Hwy 1 waren und wir konstant mit Tempo 90 vorwärts kamen.

Und heiß wurde es mit 41,5 Grad tatsächlich. Solange man im klimatisierten Auto saß, und man nicht anhalten und aussteigen musste, war das kein Problem. Aber ganz vermeiden lässt sich das natürlich nicht.

Heiß….

Einen unangenehmen Zwischenstopp mussten wir an der Grenze nach Südaustralien einlegen. Wir hatten nämlich vergessen, dass es zwischen den australischen Bundesstaaten sehr strenge Quarantäne Regeln gibt und man z.B. nach Südaustralien keine Obst und Gemüse aus Victoria einführen darf. Ob diese Regeln tatsächlich dazu dienen, die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten zu verhindern, sei dahingestellt. Auf jeden Fall mussten wir unsere wunderbaren Vorräte an Obst und Gemüse in die Tonne drücken, oder Gefahr laufen, mehrere Tausend Dollar Strafe zu zahlen. Sehr ärgerlich!

Unsere nächste Sorge galt der nächsten Nacht, für die wir wegen der Hitze auf jeden Fall einen Stellplatz mit Stromanschluß brauchten, um unsere Klimaanlage im Wohnwagen benutzen zu können. Über eine Campingführer App, die mir die Kinder im Sommer zum Geburtstag geschenkte hatten, haben wir dann in the middle of nowhere einen tollen kommunalen Stellplatz in Coonalpyn gefunden, direkt neben dem städtischen Schwimmbad, in dem wir uns, nachdem wir uns installiert hatten, erst mal abkühlten. Da es auch abends noch 39 Grad waren, haben wir den recht anstrengenden Tag mit knapp 500 gefahrenen Kilometern bei einem kühlen Bier im Wohnwagen ausklingen lassen, anstatt draussen zu sitzen und das ohrenbetäubende Geschrei zahlloser Papageien und Kakadus auf uns wirken zu lassen.

Silo Art

Am nächsten Tag besichtigten wir noch bei einem Kaffee die Haupattraktion Coonalpyns. Wie in jedem Flecken gibt es in diesem Ort ein riesiges Getreidesilo. Diese 35 Meter hohen Betonmonster sind weithin sichtbar und normalerweise schmucklos hell angestrichen. Das Silo in Coonalpyn macht da eine Ausnahme, obwohl es mittlerweile öfters künstlerisch gestaltete Silos gibt. Hier hatte ein Künstler Kinder aus dem Ort dargestellt. Sehr cool!

Silokunst
Mehr Silokunst

Im Augenblick sind diese Silos Orte großer Betriebsamkeit, da Australien wegen des vielen Regens gerade die größte jemals produzierte Getreideernte einfährt. Auf der Eyre Peninsula hat mir jemand erklärt, dass Farmer, die in dieser normalerweise regenarmen Gegend normalerweise 8-10 bags pro acre ernten (1 Bag sind 85,5Kg; 1 acre 4050 Quadratmeter). In diesem Jahr hätten sie bis zu 26 bags per acre eingefahren. Und darüber hinaus sind wegen des Krieges in der Ukraine die Preise pro Tonne mehr als doppelt so hoch wie sonst. Nach vielen Jahren Dürre und schlechter Ernten in wahrhaft warmer Regen.

An vielen Orten reichen die traditionellen Betonsilos gar nicht mehr aus, sodass riesige Bodenlager (bunker sites) eingerichtet werden, die dann mit gewaltigen Planen abgedeckt werden, um das Getreide vor Regen, Wind oder opportunistischen Vögeln zu schützen.

Bunker Sites
Riesige Mengen an Getreide

Cool Change

Die große Hitze war über Nacht durch einen sogenannter „Cool change“ abgelöst worden. Dabei wird die Hitze, die durch Nordwinde aus dem Inneren Australiens bewegt wird, durch Südwinde eines Tiefdruckgebietes vom Southern Ocean abgelöst. Wir kennen das noch von Melbourne. Da kann die Temperatur innerhalb einer halben Stunde um bis zu 20 Grad fallen. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, hatten wir nur noch angenehme 18 Grad und benzinsparenden Rückenwind für die Autofahrt. Bei unserem Gespann macht das glatt 2 Liter pro 100 Km aus.

Adelaide haben wir durch das Barossa Valley umfahren, wo im 19. Jahrhundert Protestanten aus Deutschland den Weinanbau nach Australien gebracht haben. Noch heute zeugen Namen wie Seppelt, Lehmann, Wolf Blass u.a. vom Erfolg dieser Einwanderer.

Immobilien im Sonderangebot

Unser Ziel für den Tag waren 400 Kilometer und Port Pirie, das am Spencer Golf liegt. Wir hatten uns einen malerischen Ort am blauen Meer vorgestellt, der dann doch etwas anders aussah. Der Ort selber liegt nämlich gar nicht am Meer sondern am Port Pirie Creek, einem von Mangroven gesäumten Flüsschen. Und die „Hauptattraktion“ des Ortes und der größte Arbeitgeber ist die riesige Bleihütte. Angeblich soll der Schadstoffausstoß dieses Hochofens durch Investitionen von 650 Mio Dollar drastisch gesenkt worden sein. Zahlen des Gesundheitsministeriums deuten jedoch auf noch immer steigende Bleiwerte bei Kleinkindern hin. Im Gegenzug sind dafür Immobilien günstig….

Blick auf die Bleischmelze

Da wir uns in der Hauptreisezeit bewegen, kommen wir leider nicht immer an den schönsten Orten unter, da diese seit langem ausgebucht sind. Wir müssen für jeden Stopp auf kurzfristige Stornierungen spekulieren oder uns mit weniger attraktiven Plätzen begnügen. Aber dafür bleibt jeder Tag spannend, da wir meistens nicht wissen, wo wir abends unterkommen.

We are newbies

Für unsere nächste Etappe hatten wir eine „powered site“ im 450 Km entfernten Venus Bay Caravan Park ergattert, leider aber wieder nur für eine Nacht. Venus Bay scheint die „destination of choice for hardcore fishermen“ zu sein. Meine Güte, diese Leute sind unglaublich ausgerüstet. Wohnwagen jeder Art mit allen möglichen Sonderausstattungen. Diese RV’s(Recreational Vehicles) lassen keine Wünsche offen und scheinen Lebensinhalt der stolzen Eigentümer zu sein. Sehr beeindruckend auch die Boote, die diese Leute mitschleppen. Die Leute mögen zwar verwegen aussehen, sind aber ohne Ausnahme sehr freundlich und hilfsbereit.

Unser Nachbar sprach uns abends an und sagte, dass er eine ganze Weile hinter uns her gefahren sei. Als er gesehen hat, dass unser Caravan nach seinem Geschmack zu sehr hin und her schwenkte (…sways), hat er es vorgezogen, uns zu überholen. Er empfahl uns, eine Anti Sway System zu installieren oder sogenannte Anti Sway Bars, die er mir gleich an seinem Anhänger demonstrierte. Das war für uns wie eine kalte Dusche, zumal wir von diesem „swaying“ überhaupt nichts bemerkt hatten. Wir waren bisher nämlich der Meinung, dass unser Van sehr ruhig hinter unserem Touareg herläuft, zumal wir ja eine elektronische „Anti Sway System“ als Extra für unseren Van geordert hatten, zumindest haben wir teuer dafür bezahlt. Natürlich sind uns gleich alle möglichen Gedanken gekommen. Funktioniert unser System nicht richtig? Haben wir überhaupt eins? Und so weiter uns so fort….Auf jeden Fall werden wir der Sache auf den Grund gehen müssen. Am Besten gleich, wenn Louise auf ihrem Weg nach WA zu uns aufschließt. Dann kann sie hinter uns herfahren und einer von uns beobachten, wie sich unser Trum auf der Straße verhält. Also langweilig wird es auf jeden Fall nicht.

Wir haben dann noch eine Weile mit unseren Nachbarn zusammengestanden und uns unterhalten. Als er erfuhr, dass wir erst seit 2 Monaten „Caravaner“ sind, rief er laut „Ah, you are newbies“ und alle Umstehenden stimmten fröhlich ein und applaudierten „ah, newbies“! Jetzt wissen wir, was wir sind.

Da wir in Venus Bay nur eine Nacht hatten und sich auch keine Stornierung ergeben hatte, mussten wir am nächsten Morgen wieder aufbrechen. Letztendlich waren wir aber gar nicht so traurig darüber, da diese Venus Bay wenig attraktiv, sehr flach ist und vor allen Dingen brutal dem Wind ausgesetzt ist. Lieblich ist anders!

Seitdem wir den National Hwy 1 verlassen hatten um uns in der Eyre Peninsula an die Küste zu begeben, haben unsere Mobiltelefone mit den Billigheimer Sim von Aldi Karten sofort ihren Dienst aufgegeben. Wir hatten also keinerlei Möglichkeiten mehr zu kommunizieren, waren informationstechnisch somit abstinent. Unsere Quartiersuche hat das natürlich nicht einfacher gemacht. Jetzt war Abklappern gefragt. Zuerst ging es zum größten Caravan Park von Streaky Bay, um nach einer Stornierung zu fragen. Leider Fehlanzeige. Wir haben dann einen Notbehelf auf dem städtischen Fußballplatz gefunden, haben uns aber gegen einen Verbleib entschieden, da wir doch gerne etwas nettes am Strand gehabt hätten. Unser nächster Versuch war der Streaky Bay Islands Park, etwas ausserhalb gelegen und mit wunderbarem Blick auf zwei kleine Inseln. Und siehe da, ein Platz war kurzfristig freigeworden und sogar noch in der „ersten Reihe“. Abends erfuhren wir dann noch, dass wir sogar noch eine zweite Nacht hier bleiben konnten. Schon sah die Welt schlagartig ganz anders aus. Was will man mehr?

Unser Sylvesteressen

Nachmittags haben wir uns dann eine weitere Sim Karte vom größten Netzwerkbetreiber Telstra gekauft, der auch in abgelegeneren Gegenden eine Abdeckung verspricht. Damit waren wir wieder kommunicado. Wunderbar! Obwohl wir nur knapp 24 Stunden zu kommunikativer Abstinenz gezwungen waren, haben wir gemerkt, wie sehr wir uns mittlerweile daran gewöhnt haben, alles in quasi Echtzeit mitzuerleben und zu kommunizieren wann und mit wem wir wollen. Auch in Hinblick darauf, dass man auf kaum befahrenen Straßen mal in die Verlegenheit kommen kann Hilfe zu benötigen, ist funktionierender Netzzugang sicherlich gut für die eigenen Nerven.

So haben wir dann 2 erholsame Tage über Sylvester in Streaky Bay verbracht. Das alte Jahr haben wir mit Sekt beim Sonnenuntergang verabschiedet. Den Jahreswechsel haben wir „altersgerecht“ verschlafen.

Damit wünschen wir euch allen ein frohes neues Jahr und melden uns in Kürze aus Westaustralien oder dem Weg dorthin wieder.

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Ciao!

Wolfgang und Sabine

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2 Replies to “Unterwegs in Australien – Teil 3”

    1. Haha, stimmt! Ist ein Strand-Poncho, den mir Anna zu Weihnachten geschenkt hat.

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